Eine Berlinerin wollte sich etwas gönnen und bestellte sich deshalb einen Swimming-Pool. Hierfür wandte sich an einen polnischen Anbieter. Dieser kam seiner Verpflichtung nach und lieferte das Becken in den Stadtteil Spandau der Bundeshauptstadt, wo die Käuferin lebt. Diese konnte aus verständlichen Gründen kaum erwarten, ihren neuen Pool zu nutzen und packte eilig die Pakete aus. Es handelte sich um ein mobiles Becken, das nicht in den Boden eingelassen werden muss. Die Berlinerin erhielt allerdings mehr als sie bestellte hatte – und das wäre beinahe schiefgegangen. In einem der Pakete befand sich eine männliche Waldohreule, die aus unerklärlichen Gründen mit verpackt wurde.
Die Eule war dem Tode nah
Das bemitleidenswerte Tier kauerte im Regenwasser, das sich im Paket während des Transports angesammelt hatte. Sie war unterkühlt, durchnässt und abgemagert. Sie brachte nur 210 Gramm auf die Waage. Ein gesundes Tier wiegt 250 Gramm. Es ist nicht klar, wie lange sie gefangen war. Die frisch gebackene Poolbesitzerin handelte geistesgegenwärtig und brachte den Vogel sofort in die Kleintierklinik der FU Berlin. Hier wurde das Männchen stabilisiert. Die Mediziner behandelten zudem eine schwere Augenentzündung, mit der die Eule ebenfalls zu kämpfen hatte.
Die Eule soll bald freigelassen werden
Mittlerweile befindet sich das Tier in einer NABU-Auffangstation in Marzahn-Hellersdorf. Dort spricht man von der „skurrilsten Fundgeschichte, die wir je erlebt haben.“ Die Eule ist inzwischen fast gesund. Sie bringt 244 Gramm auf die Waage. Bald kommt deshalb der Moment des Abschiednehmens: Sie wird in einem Wald in der Nähe der deutschen Hauptstadt freigelassen. Die Eule findet anschließend von allein nach Polen – und ist schneller als es ein Auto wäre. Zudem entfallen die diplomatischen Hürden beim Grenzübertritt, erklären die NABU-Experten die Entscheidung für den Ort der Freilassung. Einem Pool wird der Vogel für den Rest seines Lebens wohl nicht mehr zu nahekommen.